Josefine & Jakob – Teil III


Leicht aufgekratzt und überdreht stellt sie eingerahmte Fotos ins Fensterbrett und freut sich über das bisherige Jahr. Draussen wacholdert der Spätsommer durch die Hecken. Die gelben Säcke lehnen sich an die Mülltonnen wie faule Halunken. Mindestens zwei der daneben abgestellten Fahrräder sind seit Monaten nicht mehr benutzt worden. In die Speichen spannen Spinnen ihre Räder gegen […]

Lochbuch: 27.08.2007 – der alte sommer


draussen wacholdert der alte sommer mürrisch vor sich hin und du schläfst drei wochenenden lange und heftig dazwischen bewältigst du hausarbeiten und massierst deine eigenwilligen sorgen wie knoten in der rückenmuskulatur an manchen tagen raffst du dich auf und wirfst stapel von altem papier in die tonne die zwei straßenzüge weiter mit schmalem mund auf […]

Lochbuch: 27.07.2007


mittlerweile ist meine peergroup eingeschlafen, knutschend im morgennassen gras versunken oder sonstwie abhanden gekommen. ich beschließe, obwohl ich unsicher bin, den weg im morgendlichen glimmer zurück zu finden, allein nach hause zu laufen. im caspar-david-friedrich-blick auf die stadt zu. ich greife mir eine ungeöffnete flasche roséwein, die besitzerlos an einem baumstamm lehnt und gehe los. […]

Randnotiz: Ahrenshoop, Du sommerblaue Schwitznudel


[…] Am Wasser sitzen zwei Sekt saufende Tanten auf zwei in den Sand gestanzten Stühlen zwischen den vernagelten Strandkörben. Sie winken und prosten mir hinter dem feuchten Wind zu. Ich kämpfe mich wie ein Küstenkamel durch das Ufer in Richtung Kurhaus, das sich wie ein Stapel riesiger Schachteln hinter der Böschung verschanzt. Sogar einen Schirm habe ich dabei. In der Bunten Stube kaufe ich ganz gelassen ein Buch und setze mich noch ein bisschen einfach so in den Regen. Ahrenshoop, ich bin dir ein guter Seebadbesucher. […]

Randnotiz: Regen, Amsel, Ast


Ich liebe diese regenwetterliche Entschleunigung, in der sich das ganze Umland wie pastoral-bukolische Malerei um meine leise Lieder der Berückung tirilierende Melancholia schmiegt. Sogar die Amsel hinterm Fenster findet’s super und verweilt ein bisschen auf dem Ast, der sonst nur wie ein Blödian auf die Hochspannungsmasten über der Umgehungsstraße zeigt. Photo & Text: Martin Hiller

Arancini und Bier

Reisetagebuch, Sizilien 2017 – Dritter Eintrag


In der Kategorie „Reisetagebuch“ schreibt Martin Hiller hier von Urlaub, Reisen, Ferien und anderen, tendentiell in der Ferne verbrachten Freizeiten. Vom  Lost Baggage fehlt immer noch jede Spur. Immerhin finden sich nun, nach einigen Tagen ohne Rasierer, aber Spuren von einem Bart in meinem Urlaubsgesicht. Mein Bartwuchs ist generell kein besonders starker. Trotzdem oder gerade […]

Reisetagebuch, Sizilien 2017 – Zweiter Eintrag


Nach neun Stunden flight delay und lost baggage kommen wir doch noch in Sizilien an. Als Ersatz kaufe ich mir meine erste kurze Hose seit Kindertagen.

Wo die Wolken siruplangsam, weiss und hochgestapelt stehen wie steif geschlagene Sahne.

Reisetagebuch, Sizilien 2017 – Erster Eintrag


Warten auf Air Berlin. Den ersten Urlaubstag verbringen wir in der Starship-Troopers-Architektur vom Flughafen Tegel. Mit wütenden Touristen und Gewitter.

Das Wohnungsinserat. Oder: wie ich mal mein 7-Quadratmeter-Hofzimmer zu vermieten versuchte


[…] Mit wechselndem Wetter schien der Schimmel im unbewohnten Zimmer überwunden und bald bot sich ein Freund an, dort einzuziehen. Mit seinem verschlafenen Gesicht sah er aus wie eine Mischung aus Sylvester Stallone und Adam Green, dem Sänger der Moldy Peaches. Wir kannten uns ganz gut aus dem Nachtleben der Stadt und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er schlicht aus gutem Herzen bei mir einzog. Denn auch er stellte schnell fest, dass das so richtig wohnlich dort nicht ist. Er nutzte diese Schachtel eines Zimmers eher als Abstellraum für seine veranstaltungstechnischen Geräte und weilte die meiste Zeit bei seiner Freundin. Auch er fand irgendwann eine größere Bleibe und ich hing ein lustloses Inserat in der Uni-Mensa aus – regelrecht in Angst vor dem Ansturm möglicher Interessenten. Mir war meine eigene Wohnungssuche immer schon ein Grusel, wie sollte es erst jetzt als Wohnraumanbieter werden? Wenn ich irgendwo sowas las wie „Wir sind keine Zweck-WG“ bewarb ich mich erst gar nicht, weil ich mutmaßte, dass es eine Art Verpflichtung zur Zwangsgeselligkeit in diesen schwarmhaft strukturierten, kumpellaunigen Wohngemeinschaften gab. Die Vorstellung, dort Teil einer real existierenden Sitcom zu sein, deprimierte mich. Viele meiner Freunde und Bekannten wohnten in solchen WGs. Landschaftsökologen, Punks und Pfadfinder, Zimmermänner und -frauen sowie andere Leute, die zwar ebenso wie ich ein Leben neben der bürgerlichen Normalkonfiguration führten, aus Gründen, die für mich mürrischen Menschen damals nicht immer nachvollziehbar waren, aber das Rudelsein sehr schätzten. In meinen düstersten Momenten erschienen mir paradoxerweise genau solche Wohngemeinschaften als ums Eck sehr zweckbedacht. Mein Dasein als Einsiedler hatte letztlich aber den selben Motor: ich wollte kein Leben, das allzu vielen äußeren Zwecken unterlegen war. […]

Wie ich jüngst günstig Sven Marquardts Autobiographie kaufte. Ein Text und zwei Bilder


Wie ich jüngst günstig Sven Marquardts Autobiographie kaufte. Ein Text und zwei Bilder. Ich schrieb an anderer Stelle schon mal über meinen Hang zu täglichen, kleinen, ja geradezu Mikroeinkäufen. Wenn es meine Lohnarbeit zeitlich zulässt, gehe ich oft am Vormittag, ungewaschen, müde und unterzuckert, meine Runde durch die Regale des – je nach Einkaufsziel und […]

Randnotiz: Bierberatung für das Mädchen aus gutem Hause


Meine heutige gute Tat: Bierberatung für das Mädchen aus gutem Hause Bei meinem heutigen Gang in den Einkaufsladen wurde meine fachmenschliche Kompetenz in Sachen Bier erfragt. Ich bin so ein Mensch, der fast jeden Tag kleine bis kleinste Einkäufe macht, weil sich das weniger wie Geldausgeben anfühlt und auch, weil ich diese unverbindliche Atmosphäre, die […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Siebenter Eintrag


[…] Nach einer längeren, schwippswegen auch zeitlosen Wanderschaft barfuß am Strand entlang, parallel zu den vom Mond gewässerten Gischtspitzen, lassen wir uns nieder auf den, jetzt nachts mietfrei zu habenden, unbevölkerten Pritschen, strecken liegend die Füße in den Nachtwind und nehmen hin und wieder einen Schluck. Der Strand ruht. Das Meer ufert endlos auf den mondbesalbten Sand. Die Nacht atmet ihren ruhigen Rhythmus. Der sternenbeschriftete Inselhimmel wie ein großes, leuchtendes Segel über unseren Schultern, lakritzschwarz aufgefaltet über der Höhlung der Bucht. Gelegentliches durchs Uferwasser waten, trauten und matten Gedanken nachfüßeln. Gischwärtiger Sand strudelt um die Ferse. Keine Termine. Leicht einen sitzen. COSMIC BALANCE. Retsina auf den Lippen und das gute Gefühl einer längst fälligen Entspannung im Nacken, wie nach einer beiläufigen, kumpelhaft zupackenden Kurzmassage eines lang gekannten Freundes. […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Sechster Eintrag


Hier im kleinen Hotel gibt es einen Gast, den wir heimlich Werner nennen. Wir wissen seinen Namen und seine Herkunft nicht. Er redet nie. Wir finden, der ihm von uns verliehene Behelfsname steht ihm und dem Eindruck eines Alt-68ers, den er auf uns macht, ganz gut. Sein Frühstück besteht aus Kippe, Kaffee (drei gehäufte Löffel […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Fünfter Eintrag


Als wäre es nicht schon alles schön genug hier, es gibt auch noch NOCH schönere, jedenfalls als solche von Reiseführern angepriesene und von der touristischen Kleinindustrie entsprechend mit Ausflugsangeboten bediente Spots. Am westlichen Rand Kretas treffen sich drei Meere. Klingt wie der Anfang eines Witzes, hat aber keine Pointe; es ist ganz einfach – ohne […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Vierter Eintrag


Wir sind ja hier am Meer und alles. Wo ein Meer ist, ist auch ein Strand. Wer an der See wohnt oder sonst einen innerlichen, im Gefühlshaushalt als Sehnsuchtsort verankerten Bezug dazu hat, weiss um die Schönheit der See. Vom Strand her schmeisst die Seele (da steckt die SEE im Wort ja schon drin!) ihren […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Dritter Eintrag


Natürlich geht man hier auch mal wandern. Die strapaziöseste Strecke durch schattenloses Gebirgsgelände bewandert man natürlich in der Mittagshitze. Unsere Route führt erstmal, über Serpentinen, raus aus den Orten, rein „in den Berg“. Klingt reinholdmessnerhafter, als es letztlich war, aber doch treffend für jemanden wie mich, der „das Gehen“ sonst als gedankenlose Nebensache, eher also […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Zweiter Eintrag


Stromkästen und Lüftungsanlagen hängen marode an den Häusern. Palmen brechen hinter, sich hängend durch die Landschaft schlängelnden, Hochspannungsleitungen das von den Bergen her ballernde Sonnenlicht. Im Inneren der glutheißen Stadt heben sie sich wie Riesen mit wirren Haaren hinter den alten, kalkweissen Häusern und ihren tagsüber zugeklappten Fensterläden hervor.Die Sonne steht obenrum rum; nicht in […]

Randnotiz: Go Home Phone, You’re Drunk


Die Suburbs dieser kleinen Stadt sind – wie alle Vor- und Nachorte – eine Sache für sich. In diesen Gegenden, in denen die städtische Struktur auseinanderfleddert und langsam ins Ländliche ausgraut, haben sich die weniger schmuckvollen Stützpfeiler der sogenannten menschlichen Gesellschaft angesiedelt: Berufsschule, Autohaus und Prügelhalle, ein Prolltechnoclub, ein, zwei Callcenter und die mittelschwere Industrie […]

Reisetagebuch, Kreta 2016 – Erster Eintrag


Die kleine Stadt in der wir hier urlaubend wohnen gibt sich angenehm wenig touristisch. Man begegnet eben also auch den Betriebsamkeiten des kretischen Alltags, der hier an der Küste natürlich sicher voll auf Tourismus gemünzt ist. Die beuligen Kleinlaster lastern mit ihren Lieferungen, Gütern und Energie- und Wasserversorgungsnetzinstandhaltungsapparaten durch die engen, alle irgendwie zum Markt […]

OUT NOW: Huey Walker – Chaussee, Nachts Ruf by / Cute Obi Corms


In den ersten regnerischen Tagen des launigen Oktobers – vom 1. bis zum 6. – verweilte Huey Walker auf dem Gelände des Kunstvereins Polly Faber. Dort erwerkelte er im Rahmen des „Schaufensterschau“– Kunstprojektes Musik, um sie möglichst zeitnah sofort zu veröffentlichen, sprichwörtlich: rauszukloppen. Resultat ist die Mini-CD „Chaussee, Nachts Ruf“ und ihr Kompagnon „Cute Obi […]

Huey Walker und andere Künstler beim “Schaufensterschau”-Kunstprojekt


Das Quartiersbüro Fleischervorstadt, die Leute vom und um den Kunstverein Polly Faber herum haben da mal was auf die Beine gestellt: das Projekt „Schaufensterschau“ lädt sechs Künstlerinnen und Künstler in die Stadt Greifswald auf das Gelände der Polly Faber ein, um dort – binnen einer Woche – kreativ und öffentlich Kunstwerke zu erschaffen. Details über […]

Lochbuch: 17.08.2007


ich fuhr dann also doch mit dem rad herum. total schau. da wo ich damals auch immer fuhr, vor 6,7 jahren. es hat sich einiges verändert. es gibt eine brücke über den gleisen jetzt, ein autobahnzubringer oder sowas wird da gebaut. das teilstück, welches aus zwei fahrwegen besteht, durch einen grünstreifen getrennt, jeweils 3-spurig, ist […]

Lochbuch: 07.06.2007


knock knock. heute habe ich meinen schreibtisch und mein zimmer ein wenig aufgeräumt. habe geschirr gespült. und während alldem meinen rechner formatiert und neu installiert. der war, nachdem da ein fremder usb-stick dransteckte, total zerschossen. nun ist er ganz sauber strukturiert noch, innen, die verzeichnisstruktur und all das. auf meiner externen festplatte herrscht brüllendes chaos. […]

Lochbuch: 15.11.2006


seit nunmehr paar wochen gibt es hier nun also, 100 meter zwischen lidl und plus, einen netto. seitdem ich das erste mal da war, lagen, in so grabbelkisten, an der kasse, so gusseiserne teelichthalter in sonnenmotiv herum, von 3 auf einen euro rabattiert. eher ratlos, was ich mit sowas anstellen sollte, aber doch irgendwie teelichthalterbesitzgeil, […]

Lochbuch: 12.08.2006


eigentlich hatte ich eine so tolle tagesplanung für heute. ich wollte eine hose umtauschen, was nicht geklappt hat, weil es das modell hier gar nicht gab, und ich deshalb meine etwas zu kurze hose, nicht gegen eine etwas längere des gleichen modells umtauschen konnte, was aber, die tagesplanung betreffend, genau genommen noch kein tief- oder […]